#1 RE: Söflinger Zwiebel von Martin 25.04.2011 09:54

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Hallo beisammen,

Da hier einige sind, die aus anderen Foren schon die Söflinger Zwiebel kennen (im Dreschflegel-Forum ist sie nach wie vor immer wieder Thema, weil dort mindestens zwei Leute von mir beliefert wurden und selbst auch anbauen), will ich hier mal über den aktuellen Stand berichten.

Die Söflinger Zwiebel ist eine plattrunde, rote Zwiebel mit sehr gutem Geschmack, die von Salvia auf dem Markt in Ulm entdeckt wurde. Seit mindestens drei Generationen wird sie von einer Gärtnerfamilie angebaut. Da Salvia einerseits von der Gärtnerei kein Saatgut bekommen konnte, andererseits aber die Gefahr besteht, daß die Sorte ausstirbt, kaufte Salvia Zwiebeln und verteilte sie an ein paar Krauterer. 2009 zog ich aus fünf Mutterzwiebeln Samen, den ich letztes Jahr aussäte. Daraus entwickelten sich schöne Zwiebeln, die größer als die aus Steckzwiebeln gezogenen wurden. Ich gab mehrere davon als Mutterpflanzen zusammen mit einer Samenportion weiter, die inzwischen auch schon wachsen.

Ich selbst hab 15 Mutterpflanzen am 9.4. ausgepflanzt:



Bei der Samenernte werde ich, wie auch bei der Auswahl der Mutterpflanzen auf gute Lagerfähigkeit selektieren. Zwiebeln die früh im Keller austreiben werden nicht verwendet. Spätes Austreiben ist gefragt. Besonders interessant ist da die mittlere Pflanze in der oberen Reihe, die erst jetzt, zwei Wochen nach dem Auspflanzen ein erstes Grün erkennen läßt.

Ausgesät habe ich auch und diesen Donnerstag etwas mehr als 250 Pflänzchen in Kisten pikiert, die dann in der zweiten Maihälfte ausgepflanzt werden. Wenn ich die alle durchbringe wäre ich froh. Damit habe ich in diesem Jahr erstmals sowohl den Anbau gesäter Zwiebeln für Mutterpflanzen und Küche, als auch den Anbau von Mutterpflanzen zur Samengewinnung. Es bleibt spannend...

Liebe Grüße,

Martin

#2 RE: Söflinger Zwiebel von Annie 25.04.2011 11:33

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wie schön, dass du solchen erfolg hast. ich war ja auch beteiligt am projekt, aber scheinbar ist die söflinger nicht geeignet für meine region.
sie haben zwar wunderschön ausgetrieben und geblüht, aber dann hat der wind die stengel umgebrochen - vielleicht hatten auch die schnecken dran genagt, bevor die samen ausgereift waren.
ein paar konnte ich im glas nachreifen lassen und hab da draus zwiebelchen gezogen, aber im letzten jahr sind die mir dann im boden geblieben.
allerdings auch andere steckzwiebeln. die sind allesamt kein stück gewachsen und dann später verfault.
war natürlich wetterbedingtes gärtnerpech.
falls ich mein neues gartenstück in schuss bekomme, würde ich es in den nächsten jahren nochmal versuchen wollen. aber momentan ist noch anderes im umbruch, das dringlicher ist.

weiter viel glück beim zwiebeln

#3 RE: Söflinger Zwiebel von Waldschrat 25.04.2011 18:48

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Zitat von Martin
Ausgesät habe ich auch und diesen Donnerstag etwas mehr als 250 Pflänzchen in Kisten pikiert, die dann in der zweiten Maihälfte ausgepflanzt werden. Wenn ich die alle durchbringe wäre ich froh. Damit habe ich in diesem Jahr erstmals sowohl den Anbau gesäter Zwiebeln für Mutterpflanzen und Küche, als auch den Anbau von Mutterpflanzen zur Samengewinnung. Es bleibt spannend...

Hallo Martin,
wenn Du dann nach der Ernte ganz viel Saatgut hast, wäre ich durchaus auch an einer Samenportion interessiert. Bisher habe ich mich zwar mehr auf die Steckzwiebeln verlassen, aber man kann ja ruhig auch mal was neues ausprobieren.
LG Sebastian

#4 RE: Söflinger Zwiebel von Martin 25.04.2011 21:36

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Zitat von Waldschrat
Hallo Martin,
wenn Du dann nach der Ernte ganz viel Saatgut hast, wäre ich durchaus auch an einer Samenportion interessiert. Bisher habe ich mich zwar mehr auf die Steckzwiebeln verlassen, aber man kann ja ruhig auch mal was neues ausprobieren.
LG Sebastian



Hallo Sebastian,

Bis letztes Jahr war ich auch von Steckzwiebeln überzeugt. Dann habe ich die Söflinger Zwiebel ausgesät, pikiert und ausgepflanzt und parallel fünf oder sechs verschiedene Sorten Steckzwiebeln gesteckt. Im Endergebnis waren letztes Jahr die Steckzwiebeln bei der Ernte mickriger als sonst, alle Sorten. Die Söflinger dagegen war größer als alle gesteckten und überzeugte mich vollkommen.

Dazu muß man aber eines wissen: Es gibt zweierlei Zwiebelsortengruppen. Die "Dreijährigen" werden im ersten Jahr ausgesät, frühzeitig bei entsprechender Zwiebelgröße für Steckzwiebeln geerntet, im zweiten Jahr gesteckt und ausgereift in der Küche verwendet und im dritten Jahr bilden sich aus den großen Zwiebeln Blütenstände und Samen. Die "Zweijährigen", zu denen die "Söflinger Zwiebel" gehört, werden ausgesät, pikiert und ausgepflanzt und können im gleichen Jahr zum Verbrauch geerntet werden. Im zweiten Jahr blühen die ausgepflanzten Zwiebeln und bilden Samen.

Ich denke mal, wenn nichts dazwischen kommt, werde ich von den 15 Mutterzwiebeln viele Samen ernten und dann gerne welchen abgeben können.

Liebe Grüße,

Martin

#5 RE: Söflinger Zwiebel von Martin 26.07.2011 21:56

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Zwischenbericht: Von meinen ganzen Mutterzwiebeln sind die meisten noch vor der Blüte verfault. Drei oder vier blühen derzeit, die letzten Überlebenden. Ich hoffe, daß ich wenigstens die durchbringe und Samen ernten kann. Die dieses Jahr gesäten Zwiebeln entwickeln sich auch nicht so, wie ich mir das erhofft habe. Ich hoffe, daß ich von denen wenigstens wieder einige Mutterpflanzen fürs nächste Jahr ernten kann.

Unzufriedene Grüße,

Martin

#6 RE: Söflinger Zwiebel von Waldschrat 28.07.2011 17:48

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Zitat von Martin
Die dieses Jahr gesäten Zwiebeln entwickeln sich auch nicht so, wie ich mir das erhofft habe. Ich hoffe, daß ich von denen wenigstens wieder einige Mutterpflanzen fürs nächste Jahr ernten kann.
Unzufriedene Grüße,
Martin

Hallo Martin,

es scheint eben auch bei den Kulturpflanzen jedes Jahr anders zu sein. In der Natur gibt´s ja oft an ein und derselben Stelle von Jahr zu Jahr wechselnde Pflanzen, die sich stärker entwickeln und gegenüber anderen dominieren.
Sebastian

#7 RE: Söflinger Zwiebel von Annie 28.07.2011 19:01

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ja, dazu kann ich auch etwas beitragen. ist zwar total OT, aber ich hab mich ja sooo gefreut - freu mich besser gesagt immer noch unbändig.
es geht um den von mir geliebten Feld-Steinquendel. er ist selten geworden, weil er sehr hohe ansprüche an seinen Standort stellt, nur unberührte Plätze akzeptiert, es darf nicht gedüngt, oder gar gespritzt sein und der boden mager und leicht sandig und geschützt.
also ziemlich genau so, wie ich es auch gern mag. vor einigen Jahren hab ich mal einen in der Nähe meiner Ortschaft entdeckt - dort, wo auch der andere Quendling in Hülle wächst und sich wohlfühlt und da wo ich auch immer gern bin, weils da so schön nach wald riecht und den kräutcheren aus dem trocken,bzw.halbtrockenrasen vom Waldrand. und wo schmetterlinge und eidechsen zu beobachten sind und und....ach einfach schön isses da.
da hab ich beim sammeln vor Kräutern für einen Sirup das winzige unscheinbare Pflänzchen entdeckt. man muß schon sehr genau hinschauen, um ihn nicht zu übersehen. dabei hat er sehr schöne rotviolette, gesprenkelte Blütchen, anders als der normale quendel. und er hat einen sehr feinen duft, wenn man ein blättchen zerreibt. aber man mag ja fast gar nichts davon abzupfen, so zierlich wie er ist... leider neigt er so gar nicht zum wuchern, steht immer sehr vereinzelt da.

und dann haben die besitzer des grundes dort ihren holzlagerplatz eingerichtet, gesägt, gespalten.. alles niedergetrampelt und mit den hölzern plattgemacht. ich hab mich geärgert, dass ich den FSQ nicht hatte retten können, ihn evtl. umsetzen... aber zu spät.
seither hab ich sommer für sommer vergeblich danach gesucht. ich konnte gar nicht anders, als an diesem platz auf allen vieren herumzusuchen, ob nicht vielleicht doch.. und war immer recht betrübt, hatte das gefühl, etwas schönes verloren zu haben.

und nun hab ich heuer an einem kilometer entfernten platz zufällig wieder ein ganzes Büschelchen meines Lieblings blühend vorgefunden. ich war richtig happy!
und heute - auf Wildblumensaat-suche für meinen Wasserkraterrandbewuchs kam ich wieder mal zum holzplatz. er war heuer wieder frei und brach. und da lachte er mir entgegen! mein Schätzlein hat sich wieder hervorgetraut!!!!
es gibt ihn also doch noch!
(nur die kamera konnte einfach nicht richtig scharfstellen, die bilder sind nichts gescheites geworden, fürchte ich..)

#8 RE: Söflinger Zwiebel von Martin 17.02.2017 21:59

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Die Söflinger Zwiebel ist nicht tot. Es scheint sie noch bei der Gärtnerei Stollmaier in Ulm-Söflingen zu geben. Siehe hier: http://www.genbaenkle.de/bedrohte-sorten/#sf-{"1":"Zwiebel","search-id":"1"} Ich werde mir nach ein paar Jahren, in denen ich nichts mehr von der Sorte hörte, mal versuchen, welche zu besorgen und dann auch zu vermehren. Da fahre ich doch gerne mal in die Ulmer Gegend.

Liebe Grüße,

Martin

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